Bomben sind niemals gerecht (02/2016)

Stellungnahme der Initiative "Welt ohne Waffen" zum Jahrestag der Bombardierung Weimars am 9. Februar 1945

Die Bombenschäden auf Weimar im Februar 1945 waren gering gegenüber der Zerstörung anderer deutscher Städte wie Dresden oder Hamburg. Und sie waren sehr klein gegenüber dem gesamten Gräuel des 2. Weltkrieges und der Ungeheuerlichkeit des Holocausts, für die Deutschland jeweils die Hauptschuld trug. Wir wenden uns gegen geschichtsrevisionistische Propaganda, die die Absicht verfolgt, die Schuld Deutschlands klein zu reden. Die 60 Millionen Kriegstoten und 6 Millionen Holocaust-Opfer bleiben das Erbe des militaristischen Deutschland.

Wir wenden uns aber auch gegen Verharmlosungen des Krieges überhaupt, auch gegen die Verharmlosung der Flächenbombardements der Alliierten, die schon damals unmoralisch waren und heute den Charakter von Kriegsverbrechen hätten. Die Zerstörung deutscher Städte war im Frühjahr 1945 militärisch sinnlos und moralisch verwerflich. Wir dürfen aus einem falschem Verständnis für die heutigen Verbündeten die alliierten Flächenbombardements nicht unkritisch beurteilen. Und nur mit diesem pazifistischen Ansatz können wir eine energische Widerlegung der rechten Argumente von der angeblichen deutschen Unschuld glaubhaft betreiben.

 

Unsere Position unterscheidet sich von allen Formen der Verharmlosung von militärischer Gewalt. Während die Neonazis die Schuld der Deutschen kleinreden wollen, vernachlässigt der herrschende Mainstream die Fehler der Alliierten, wenngleich diese selbstverständlich weit weniger verwerflich waren als die der Deutschen. Wir dürfen aber keine der zivilen Kriegsopfer ignorieren, sondern stellen das Unmenschliche des Krieges und damit das außergerichtliche Töten per se an den Pranger – unabhängig davon, wer dieses massenhafte „Töten auf Verdacht“ an der Zivilbevölkerung praktiziert hat.

Wir wollen auch die Erinnerung an den 2. Weltkrieg hinwenden zu einer Empörung über die Unmoralität heutiger Kriege, wir kritisieren die völkerrechtswidrigen Interventionen im Nahen und Mittleren Osten und müssen auf die Mitschuld unseres westlichen Bündnisses für viele Bürgerkriege hinweisen, welche die entscheidenden Ursachen für Terrorismus und die dramatischen Fluchtbewegungen der Gegenwart bilden.

Wir wollen auch darauf hinweisen, dass Bombardements nichts von ihrem Schrecken verloren haben und selbst die modernsten und genauesten Bomben und Raketen nur ungenau treffen und Menschen immer auf Verdacht töten. So waren von den bisher 20.000 weltweit durch Drohnen ermordeten Personen mehr als die Hälfte Zivilisten. Die sogenannten Kollateralschäden sorgen dafür, dass auch ohne Flächenbombardement der Krieg in grausamer Weise funktioniert. Unser Gedenken zum 9. Februar richtet sich deshalb auf die Gräuel von damals und heute.

 

Initiative "Welt ohne Waffen" Weimar