Die geplante Städtepartnerschaft mit Israel zu einer trilateralen Partnerschaft ausweiten!

Offener Brief an den Weimarer Oberbürgermeister Peter Kleine und die Fraktionen des Weimarer Stadtrates

Wir begrüßen die geplante Städtepartnerschaft Weimars nach Israel, sie sollte aber zu einer trilateralen Städtepartnerschaft mit einer israelischen und mit einer palästinensischen Gemeinde erweitert werden.

Die Partnerschaft einer deutschen mit einer israelischen Stadt ist durch den Holocaust eine besondere. Und die janusköpfige Geschichte Weimars zwischen Humanität und Barbarei verleiht dieser Beziehung nochmals einen ganz speziellen Charakter. Und letztlich wird auch das schwierige Verhältnis zwischen Israel und Palästina zu der Eigenart dieser Partnerschaft beitragen. Es könnte deshalb sinnvoll sein, in diesem hoch gefährdeten Nahen Osten ein versöhnendes Element wie diese regionale, trilaterale Partnerschaft zu installieren.

Es ist gut, dass Weimar eine neue Partnerschaft auch mit der Nähe Weimars zum KZ Buchenwald begründet. Vor diesem Hintergrund sollte der bekannte „Schwur von Buchenwald“ auch das Fundament dieser Partnerschaft sein.

Die Überlebenden des Konzentrationslagers bekannten sich am 19.04.1945 vor allem zu Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit. Das sind Begriffe, die im heutigen Israel und den besetzten Gebieten von hoher Aktualität sind. Indem Weimar zugleich eine Partnerschaft mit einer israelischen und einer palästinensischen Gemeinde anstrebt, könnte sie sowohl dem fortwährenden Gedenken an Buchenwald dienen als auch einen dringend notwendigen Impuls zur Versöhnung der Konfliktparteien im Nahen Osten leisten. Wir sind davon überzeugt, dass Weimar erst in dieser verdoppelten Städtepartnerschaft seinen ethischen Verpflichtungen aus dem Schwur von Buchenwald gerecht werden kann.

Die trilaterale Partnerschaft wäre auch ein Signal an die in Weimar lebenden jüdischen/israelischen und palästinensischen Bürger, sich gemeinsam mit der Weimarer Öffentlichkeit an einem Dialog über den Frieden im Nahen Osten und unsere Willkommenskultur zu beteiligen. Es gibt in Deutschland bereits mehrere solche trilateralen Städtepartnerschaften. Auch Jena hat eine Partnerschaft mit der palästinensischen Stadt Beit Jala (bei Bethlehem) und zugleich eine Kooperation mit der israelischen Stadt Gilboa.

Wir rufen die Stadt Weimar, ihre Institutionen, Bürger und Volksvertretungen dazu auf, Überlegungen darüber anzustellen, welche Möglichkeiten es gibt, diese trilaterale Städtepartnerschaft zu entwickeln.

Weimar, den 20.11.2018

Prof. Dr. Olaf Weber

Martin Rambow

Erhard Arndt