Podiumgespräch zum Weltfriedenstag

auf dem Podium v.l.n.r. Doris Voll, Werner Rätz, Ingar Solty und Klaus Dörre
hier ein Mitscnitt von Radio Frei - Danke dafür!

„Alle Welt sehnt sich nach Frieden“ – mit diesen Worten Johannes R. Bechers war das Podiumgespräch überschrieben, welches am 2. September 2022, 19:30 Uhr im Mon ami Weimar der Frage nach alternativen Sicherheitskonzepten nachging. Vor Beginn spielte Tubalibre zur Einstimmung auf dem Goetheplatz Friedenslieder, das Podiumsgespräch wurde von Olaf Bessert mit Gitarre und Gesang umrahmt. Die Moderation übernahm Doris Voll. Veranstalter waren das Netzwerk Rüstungskonversion Thüringen, die Initiative >Welt ohne Waffen<, attac Weimar und der C-Keller Weimar in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Stadt Weimar. Das Publikum nahm selbst aktiv an dem Gespräch teil.

Darüber, daß der Krieg in der Ukraine möglichst schnell gestoppt werden soll, herrschte Einigkeit, die Folgen auf Menschen weltweit und Umwelt sind unüberschaubar, jedoch auf jeden Fall verheerend. Ingar Solty betonte die Zweifelhaftigkeit eines Siegfrieden. Die Lösung könnte in einem Verhandlungsfrieden unter der Aufsicht einer übergeordneten Organisation liegen – UNO? OSZE?

Werner Rätz machte seine Zerrissenheit zwischen grundsätzlicher Solidarität mit der Ukraine unter Anerkennung des Rechtes auf Selbstverteidigung und der Vermutung, daß Verteidigung der Ukraine mit militärischen Mitteln die Ukraine umfassend und nachhaltig zerstört, Menschen getötet, verletzt und traumatisiert werden, deutlich. Welche Auswirkungen ein Krieg auf Menschen und Umwelt hat, wissen wir grundsätzlich, nehmen sie aber im Namen der umkämpften mutmaßlichen Werte in Kauf. „Im Krieg werden Werte nur in Säcken verkauft“ stellte Prof. Klaus Dörre in den Raum.

Gäste aus dem Publikum äußerten Unmut über den abstrakten Charakter von Informationen aus den Kriegsgebieten. Zwar würde der Krieg in der Ukraine wie kein anderer zuvor dokumentiert und kommentiert, an die breite Öffentlichkeit gelangten jedoch kaum Informationen von russischer Seite. Damit fehlte zur Meinungsbildung der Blick auf die Gegenseite. Beklagt wurde die Ohnmacht gegenüber der vorherrschenden Kriegslogik. Im Angesicht einer atomaren Kriegsgefahr entspricht der Rechtfertigungsdruck des Pazifismus der Absurdität unseres informellen Zeitalters.

Fazit: Der Pazifismus braucht Verstärkung, ein klares Gesicht und eine wirksame Friedensrhetorik um Gehör zu finden.