Stellungnahme der Initiative „Welt ohne Waffen“ zum Jahrestag der Bombardierung Weimars am 9. Februar 1945

An jedem Jahrestag der Bombardierung Weimars am 9. Februar 1945 kommt die Erinnerung an den Krieg zurück. Es ist gut, dass nichts vergessen wird.

Es ist auch nicht verwunderlich, dass es unterschiedliche Bewertungen dieses Jahrzehnte zurückliegenden Ereignisses gibt. Doch über die Gräuel des 2. Weltkrieges und der Ungeheuerlichkeit des Holocausts, für die Deutschland jeweils die Hauptschuld trägt, kann es keinen Zweifel geben. Die 60 Millionen Kriegstoten und 6 Millionen Holocaust-Opfer bleiben ein Erbe des militaristischen Deutschlands. Es ist deshalb nicht akzeptabel, dass heute eine rechte Propaganda diese Schuld leugnet.

Wir wenden uns aber auch gegen Verharmlosungen des Krieges überhaupt. Auch gegen die Verharmlosung der Flächenbombardements der Alliierten, die schon damals unmoralisch waren und heute den Charakter von Kriegsverbrechen hätten. Die Zerstörung deutscher Städte war im Frühjahr 1945 militärisch sinnlos und moralisch verwerflich. Wir sollten nicht aus einer falsch verstandenen Bündnistreue zu den heutigen Nato-Partnern die alliierten Flächenbombardements vom Frühjahr 1945 unkritisch beurteilen.

Unsere Kritik richtet sich gegen alle Formen der Beschwichtigung von militärischer Gewalt. Die Neonazis wollen die Schuld der Deutschen kleinreden, das ist schon deshalb unredlich, weil es das größte Kriegsverbrechen ist, einen Krieg zu beginnen. Und die Wehrmacht hat diesem Verbrechen noch viele weitere hinzugefügt. Aber in der militärischen Logik und nach dem Charakter des Krieges werden von allen Seiten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Unser Zorn richtet sich deshalb gegen den Krieg überhaupt. Krieg ist unethisch und schafft millionenfaches Leid, löst aber kein einziges der drängenden Probleme.

Unsere antimilitaristische Position verbietet uns, ein einziges der Kriegsopfer zu vergessen. Wir stellen das Unmenschliche des Krieges und damit das außergerichtliche Töten grundsätzlich an den Pranger. Indem wir uns gegen das von Gewehrläufen, Kampfjets oder Drohnen ausgehende massenhafte Töten auf Befehl wenden, folgen wir nach unserem Verständnis genau dem Ruf der Nachkriegsgeneration: „Nie wieder Krieg!“.

Wir wollen die Erinnerung an den 2. Weltkrieg auch hinwenden zu einer Empörung über die Grausamkeit heutiger Kriege. Wir kritisieren die völkerrechtswidrigen Interventionen im Nahen und Mittleren Osten und müssen auf die Mitschuld unseres westlichen Militär-Bündnisses für viele Bürgerkriege hinweisen; welche die entscheidenden Ursachen für Terrorismus und die dramatischen Fluchtbewegungen der Gegenwart bilden. Insbesondere kritisieren wir die derzeitige völkerrechtswidrige Invasion der Türkei in die Kurdengebiete Syriens. Das ist ein schreckliches Kriegsverbrechen, für das Deutschland eine Mitschuld trägt.

Unser Gedenken zum 9. Februar richtet sich deshalb gleichsam auf die Gräuel von damals und heute.

Protestaktion vor dem Fliegerhorst Jagel 2017
Protestaktion vor dem Fliegerhorst Jagel 2017

Aufruf, Vortrag und Diskussion mit Ralf und Siglinde Cüppers, Flensburg

Der Tornado- und Drohnenstandort Jagel in Schleswig-Holstein ist der Ort, von wo die Cyberkrieger mit ferngesteuerten Drohnen und ECR-Tornados Krieg in aller Welt führen. Für 2018 ist dort ein „Offenes Kriegsatelier“ als Protest gegen die Kriegsführung der Bundeswehr und der NATO geplant. In diesem Jahre fanden dort bereits zwei Anti-Kriegskonzerte der Aktion Lebenslaute statt.

Die beiden Friedensaktivisten Ralf und Siglinde Cüppers werden am 30. Oktober in der ACC-Galerie Weimar das ULUS-Offene Kriegsatelier auf den Donaubrücken vorstellen, eine gewaltfreie Aktion im Jugoslawien-Krieg, mit der serbische Künstler die Zerstörung dieser Brücken durch Jageler Bundeswehr-Tornados und amerikanische Bomber effektiv verhindert haben. Danach werden sie eine erste Planung für das Offene Kriegsatelier in Jagel vorstellen. Kunst- und Friedensinteressierte sind herzlich willkommen.

Ort: ACC-Galerie Weimar, Burgplatz
Zeit: Montag, 30. Oktober 2017, 17-19 Uhr

Eine Veranstaltung des ACC mit der Initiative "Welt ohne Waffen" Weimar

Download des Flyers Offenes Kriegsatelier in Jagel

Nordkorea rüstet weiter mit Atom- und Wasserstoffbomben auf, ist aber damit nicht allein. Was also tun?

  1. Die US-Administration muss endlich mit Nordkorea gleichberechtigt verhandeln und auf einen von außen inszenierten Systemwechsel (Regime Change) verzichten. Wie alle anderen hat auch Kim Jong-Un bemerkt, dass die USA immer wieder bereit waren, völkerrechtswidrige Angriffskriege gegen militärisch weit unterlegene Staaten wie Afghanistan, Irak und Libyen zu führen. Nach der militärischen Logik handelt der nordkoreanische Alleinherrscher leider richtig. Seine Atomwaffen sind die schreckliche Antwort auf die völkerrechtswidrige Interventionspolitik der USA.
  2. Die US-Regierung hat ein milliardenschweres Atomrüstungsprogramm beschlossen, in deren Verlauf die größte Atommacht noch einmal draufsattelt. Dabei hatten sich alle Atomwaffenstaaten in Artikel 6 des Sperrvertrages verpflichtet, ihre eigenen Nuklearwaffen abzurüsten. Der Ausbau der Atomwaffenarsenale von USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan und Israel ist also nicht weniger gesetzwidrig wie das nordkoreanische Streben nach ihrem Besitz.
  3. Bei der UNO liegt der Vertrag zum allgemeinen Atomwaffenverbot vor. Der Entwurf ist bereits von 122 Staaten unterzeichnet worden. Deutschland hat aus falscher NATO-Treue diesen Vertrag bisher nicht unterschrieben und macht sich deshalb mitschuldig an der atomaren Aufrüstung Nordkoreas. Verbinden wir also unseren Protest gegen die nordkoreanische Rüstung mit einem Druck auf unsere eigene Regierung, endlich das Mögliche zu tun.

Olaf Weber

Erhard Arndt

Initiative "Welt ohne Waffen" Weimar

Im Anschluss an die Filmvorführung des von Wim Wenders produzierten Dokumentarfilms „NATIONAL BIRD“ laden Attac Weimar und die Initiative "Welt ohne Waffen" am Donnerstag, den 01.06.2017 zu einer Diskussion über den Drohnenkrieg ein.

"Am Beispiel der Tötungen durch US-Drohnen sieht man, wie diese Art Kriegsführung sich der demokratischen Aufsicht völlig entzieht, ganze Regionen destabilisiert und weltweit Hass schürt“, sagt US-Bürgerin und Attac-Mitglied Elsa Rassbach. " Drohnen gehören zu den gefährlichsten Waffensystemen, die in den letzten Jahrzehnten entwickelt wurden, sie sind Bestandteile der hybriden Kriegsführung, die große völker- und verfassungsrechtliche, sicherheitspolitische, und ethische Fragen aufwirft. Eine Diskussion nach dem Film im kleinen Kinosaal des „Mon Ami“.

Ort: Kommunales Kino „mon ami“ Weimar, Goetheplatz 11

Zeit: Filmstart: 19.00 Uhr, Diskussion: ca. 20.30 Uhr

Michael Fricke, Attac Weimar

Prof. Dr. Olaf Weber, Initiative "Welt ohne Waffen" Weimar

Die USA liefern in den nächsten Jahren für unglaubliche 300 Mrd. Dollar hochgefährliche Waffen an die Öl- Despotie der Saudis – also in ein extremes Spannungsgebiet. Und  natürlich auch mit einem generierten Feindbild: diesmal der Iran. Es ist unglaublich - nebenan verblutet das Land der Syrer. Aber Man sei selber das Gute und kämpfe gegen das Böse. Leben wir noch in einer von Vernunft beseelten Welt? Ist das schon die Herrschaft der bewaffneten Dummheit? Oder sind wir die Dummen, die von herrschenden Egomanen auch dafür gehalten werden?

 

Olaf Weber

Initiative "Welt ohne Waffen" Weimar

Rede zur Eröffnung der Kampagne „Abrüstung Jetzt“ in der Ausstellung Bertha von Suttner am 08.05.2017 im Hauptbahnhof Weimar

Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erscheint. Albert Einstein

Und wir haben eine wirklich gute Idee, das ist die Idee von einer Welt ohne Krieg. Diese Idee ist nicht neu, sie ist wahrscheinlich so alt wie der Schrecken der Kriege selbst. Und es gibt große Vorbilder wie unsere wunderbare Ausstellung über Bertha von Suttner zeigt. Aber die Menschheit hat sich in  einer Art geistiger Trägheit (oder Fremdbestimmung) daran gewöhnt, dass es Kriege gibt und geben wird. Jeder Mann und jede Frau hofft aber darauf, dass sie woanders stattfinden.

Gerade in diesen Wochen und Monaten brauen sich die Wolken neuer Konflikte zusammen und hören wir von neuen gewaltigen Rüstungsprojekten. Und  jede einzelne militärische Intervention und jeder einzelne aufrüstungsschritt bringt nicht ein mehr, sondern ein weniger an Sicherheit und Frieden. Wir sind davon überzeugt, dass das Militär abgeschafft werden muss. Denn es wird Kriege geben, solange es Militär gibt.

Sorgen wir nicht nur für weltweite Abrüstung in den Kasernen und Arsenalen, sondern auch für die Abrüstung in unseren Köpfen, denn dort hat sich Militärisches in vielen Formen eingenistet. Wir haben wenig Kompetenz zum Handeln, aber wir haben die Kompetenz, Abrüstung und Frieden zu denken.  So können wir uns wenigstens geistig befreien – als Vorausleistung für wirkliche Abrüstung und Frieden.

Auf nur wenigen Seiten geben wir in unserem Friedensappell diese Denkanstöße. In der Vergangenheit sind kleine Abrüstungsschritte immer wieder durch neue Rüstungen vernichtet worden. Wir setzen deshalb aufs Ganze. Wir wollen die vollständige weltweite kontrollierte und kreative Abrüstung. Wir setzen ein Datum: Bis zur Jahrhundertmitte kann die Welt militärfrei sein. Der 1. Januar 2050 wäre dann der erste Tag eines globalen Friedens.

Wir bieten einen Aktionsplan, der die ungeheure Komplexität des Demilitarisierungsprozesses ahnen lässt. Unter 7 Kapiteln sind über 30 Stichpunkte aufgelistet. Die vielfältigen Probleme sollten uns aber nicht erschrecken, sondern ermutigen, an irgend einer Stelle anzufangen. Wahrscheinlich können selbst die kleinsten Teile dieses Planes nur unter enormen Aufwand durchgesetzt werden. Denken wir nur an ein solches Vorhaben wie, „Frieden als Schulfach“ in deutschen Schulen einzuführen.

Verehrte Damen und Herren, liebe Anwesende, nehmen Sie unsere kleine Anleitung zum Frieden mit. Helfen Sie dabei, das Militär loszuwerden. Schließen Sie sich uns an, Unterschreiben Sie den Weimarer Friedensappell.

Beginnen wir endlich mit Abrüstung und zwar: Jetzt!

Olaf Weber

Postkarte_Ostergruss_2017
Osterkarte der Gruppe „Kooperative Kunstpraxis“ (2003).

„Ich traue keinem mit einer Waffe in der Hand, egal wer“, sagte 2016 ein syrischer Flüchtling. Wir fordern endlich Verhandlungen ohne Vorbedingungen für Syriens Zukunft und Abrüstung für die Welt!

Friedliche Ostern.

Olaf Weber , Initiative "Welt ohne Waffen" Weimar

Das Problem des Militärs ist seine ungeheure Gewalt und seine Schnelligkeit, die mit rechtsstaatlichen Verfahren nicht in Übereinstimmung zu bringen sind. Im Falle von „normaler“ ziviler Kriminalität gibt es diese Umsicht, dort würden die Angeklagten vor Gericht kommen und hätten ein Urteil über Schuld oder Unschuld zu erwarten. Im zivilen Leben würden alle verfügbaren Fakten ausgewertet werden, man weiß dort, dass Opferbilder vielleicht viel über die Opfer, doch meist nichts über die Täter aussagen. Im Krieg, der auch deshalb nicht mehr ins 21. Jahrhundert passt, beeilen sich die Kanonen, die Urteile zu überholen. Die Wahrheit interessiert nicht, warum auch, sonst würde das Urteil den Krieg ja ersetzen und das Militär könnte ja abgeschafft werden.

Aufgrund der Veröffentlichung von grausamen Opferbildern militärische Gewalt einzusetzen heißt, fake-news zum Scharfrichter zu erheben. Statt „scharfer“ Bilder braucht es aber klarer Gedanken. Die Logik des Krieges (sie gibt es trotz Serner innewohnenden Irrationalität) weist nicht auf Assad. Die Giftgaseinsätze kamen kurz nach der  Ansage der internationalen Diplomatie, dass der Rücktritt Assads keine Vorbedingung mehr für Friedensverhandlungen sei. Mit dieser Aufwertung des umstrittenen Assad war der Weg zu Verhandlungen eingeschlagen. Die Giftgaseinsätze müssen also von Leuten geplant worden sein, die eine solche Verhandlungslösung nicht wollen. Es könnten Teile der radikalen Opposition gewesen sein, die jede Verhandlung mit Assad ablehnen, es könnten auch  der „Islamische Staat“ oder Teile des syrischen Militärs verantwortlich sein, die aufs Ganze setzen und ebenfalls eine Verhandlungslösung ablehnen. Jedenfalls sind sie vielleicht untereinander Gegner, sie gehören aber in Wirklichkeit ein und derselben Clique an, sie sind schändliche Kriegstreiber, die ihre Machtgelüste auf kosten weiterer Hunderttausender tote ausleben wollen.  Denn neben Aleppo gibt es noch mehrere syrische Großstädte, die zerstört werden können.

Was macht man aber, wenn solche Verbrecher eine Verhandlungslösung torpedieren wollen? Man gibt den Scharfmachern durch kluge! Verhandlungsangebote keine Chance. Trumps völkerrechtswidrige Raketen-Reaktion ist leider nur eine Fortsetzung Der Chemiewaffen-Attacken, sie eröffnet keine neue Perspektive. Ich hoffe auf die europäische Diplomatie. Den Scharfmachern aller Länder muss Herz und Vernunft der Zivilgesellschaften entgegengesetzt werden.

 

Olaf Weber

Initiative "Welt ohne Waffen" Weimar

(Erkenntnisstand Freitag, 07.04.2017, 11 Uhr)

  1. Der Einsatz von Chemiewaffen ist ein Kriegsverbrechen und muss streng geahndet werden.
  2. Auch andere Waffen (Bomben, Raketen, Drohnen) sind keineswegs „sauber“. Durch die Hochtechnologie-Waffen sind in den letzten Jahren und in vielen Ländern Hunderttausende Zivilisten getötet worden. Die „rote Linie“ darf nicht über die Gefährlichkeit der anderen Waffen täuschen und nicht für Eskalationsstrategien missbraucht werden.
  3. Im Kriege geht vieles irrational zu, dass aber der Machthaber Assad in einer Situation, in der er gerade als Verhandlungspartner anerkannt war und sein Rücktritt nicht mehr als Voraussetzung für Verhandlungen gelten sollte, eine solche Dummheit begeht, ist außergewöhnlich.
  4. Wegen der im Kriege auf allen Seiten üblichen Lügen und Tricks ist eine gründliche internationale Untersuchung der Vorfälle dringend geboten. Die Behauptung Assads, die Auf ständigen hätten selbst Chemiewaffen produziert, die durch den Angriff zur Wirkung gekommen sind, ist nicht völlig von der Hand zu weisen.
  5. Im UN-Sicherheitsrat muss eine Resolution verabschiedet werden, welche im Unterschied zu denen der letzten Tage eine Untersuchung ohne vorherige Schuldzuweisung fordert. Sollten die Russen einer solchen, objektiven Untersuchung ihre Zustimmung verweigern, muss die UN-Vollversammlung einen entsprechenden Beschluss fassen.
  6. Das erstmalige direkte Eingreifen der USA im syrischen Bürgerkrieg zugunsten der Auf ständigen ist eine unverantwortliche Zuspitzung der Lage im Nahen Osten. Es darf nicht der Auftakt zu weiteren militärischen Abenteuern der neuen US-Regierung sein. Trump muss den Weg der Verhandlung aufnehmen und sich mit Putin auf eine diplomatische Lösung des Syrienkrieges verständigen.

Olaf Weber

Initiative "Welt ohne Waffen" Weimar