Rede zur Eröffnung der Kampagne „Abrüstung Jetzt“ in der Ausstellung Bertha von Suttner am 08.05.2017 im Hauptbahnhof Weimar

Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erscheint. Albert Einstein

Und wir haben eine wirklich gute Idee, das ist die Idee von einer Welt ohne Krieg. Diese Idee ist nicht neu, sie ist wahrscheinlich so alt wie der Schrecken der Kriege selbst. Und es gibt große Vorbilder wie unsere wunderbare Ausstellung über Bertha von Suttner zeigt. Aber die Menschheit hat sich in  einer Art geistiger Trägheit (oder Fremdbestimmung) daran gewöhnt, dass es Kriege gibt und geben wird. Jeder Mann und jede Frau hofft aber darauf, dass sie woanders stattfinden.

Gerade in diesen Wochen und Monaten brauen sich die Wolken neuer Konflikte zusammen und hören wir von neuen gewaltigen Rüstungsprojekten. Und  jede einzelne militärische Intervention und jeder einzelne aufrüstungsschritt bringt nicht ein mehr, sondern ein weniger an Sicherheit und Frieden. Wir sind davon überzeugt, dass das Militär abgeschafft werden muss. Denn es wird Kriege geben, solange es Militär gibt.

Sorgen wir nicht nur für weltweite Abrüstung in den Kasernen und Arsenalen, sondern auch für die Abrüstung in unseren Köpfen, denn dort hat sich Militärisches in vielen Formen eingenistet. Wir haben wenig Kompetenz zum Handeln, aber wir haben die Kompetenz, Abrüstung und Frieden zu denken.  So können wir uns wenigstens geistig befreien – als Vorausleistung für wirkliche Abrüstung und Frieden.

Auf nur wenigen Seiten geben wir in unserem Friedensappell diese Denkanstöße. In der Vergangenheit sind kleine Abrüstungsschritte immer wieder durch neue Rüstungen vernichtet worden. Wir setzen deshalb aufs Ganze. Wir wollen die vollständige weltweite kontrollierte und kreative Abrüstung. Wir setzen ein Datum: Bis zur Jahrhundertmitte kann die Welt militärfrei sein. Der 1. Januar 2050 wäre dann der erste Tag eines globalen Friedens.

Wir bieten einen Aktionsplan, der die ungeheure Komplexität des Demilitarisierungsprozesses ahnen lässt. Unter 7 Kapiteln sind über 30 Stichpunkte aufgelistet. Die vielfältigen Probleme sollten uns aber nicht erschrecken, sondern ermutigen, an irgend einer Stelle anzufangen. Wahrscheinlich können selbst die kleinsten Teile dieses Planes nur unter enormen Aufwand durchgesetzt werden. Denken wir nur an ein solches Vorhaben wie, „Frieden als Schulfach“ in deutschen Schulen einzuführen.

Verehrte Damen und Herren, liebe Anwesende, nehmen Sie unsere kleine Anleitung zum Frieden mit. Helfen Sie dabei, das Militär loszuwerden. Schließen Sie sich uns an, Unterschreiben Sie den Weimarer Friedensappell.

Beginnen wir endlich mit Abrüstung und zwar: Jetzt!

Olaf Weber

Interview in NachDenkSeiten – Die kritische Website

Der Erfinder des Dynamits Alfred Nobel sprach nach dem Friedenskongress 1892 in Bern zu seiner Freundin, der Friedensaktivistin Baronin Berta von Suttner: „Meine Fabriken werden vielleicht dem Krieg noch früher ein Ende machen als Ihre Kongresse. An dem Tag, da zwei Armeekorps sich gegenseitig in einer Sekunde werden vernichten können, werden wohl alle zivilisierten Nationen zurückschaudern und ihre Truppen verabschieden.“ Leider hatte er Unrecht: Die „zivilisierten“ Nationen sind nicht erschaudert, das Militär wurde nicht verabschiedet. Trotz der Atomwaffen, der Raketen, Kampfbomber und Drohnen ist der trügerische Glaube an die Abschreckungskraft von Rüstung noch immer intakt. Und das, obwohl der moderne Krieg die Grenzen des Ethischen längst überschritten hat und die Geschichte zeigt, dass Militär die Sicherheit nicht erhöht, sondern vermindert. ...weiterlesen "Eine Welt ohne Waffen ist möglich!, Olaf Weber (10/2015)"

Ansprache am Gedenkstein für die Opfer der Flugkatastrophe vom 28.August 1988

26.September 2015 im Rahmen der Ramstein-Aktionstage

 

Liebe Freundinnen und Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,

wir gedenken hier der 70 Toten und etwa 1000 Verletzten, die am Flugtag Ramstein vor 17 Jahren zu Opfern beispielloser militärischer Hybris geworden sind. Flugtage dieser Art, bei denen Kunstflug über den Köpfen hunderttausender Besucherinnen und Besuchern, darunter viele Kinder, gezeigt worden ist, wurden umgehend durch den Bundestag für die Bundesrepublik Deutschland verboten. In den USA fanden solche Darbietungen weiterhin statt. Immerhin: am einzigen Flugplatztag auf der Ramstein Air Base, zu dem die US-Streitkräfte noch 1998 einzuladen gewagt haben, blieben die Flugzeuge am Boden. ...weiterlesen "Vom Ausstieg aus der Dankbarkeitsfalle, Roland Vogt (2015)"

Das Militär ist uneffektiv und unethisch. Der moderne automatisierte Krieg steht im Grundwiderspruch zu den Potentialen der menschlichen Zivilisation. Damit ist auch die militärische Logik nur ein zerebrales Überbleibsel aus den Kategorien der Macht, militärisches Denken ist atavistisch, es gehört nicht mehr ins 21. Jahrhundert. Menschenrechte und Krieg sind antipodische Begriffe.
Ich freue mich, in einem Kreis zu sein, in dem man diese Sätze nicht ständig erklären und verteidigen muss, sondern daran gehen kann, Alternativen und Real-Utopien aufzubauen, um die unhaltbaren Zustände von uniformiertem Raub und Mord zu überwinden. ...weiterlesen "Ausstieg aus dem Militärkomplex – 2055, Olaf Weber (03/2015)"

von Olaf Weber

Die existentiellen Themen unserer Zeit, besonders die von Gerechtigkeit und Umwelt, erfordern Kooperation und volle Handlungsfähigkeit der politischen Akteure. Doch unsere fragwürdige Zivilisation ist unterwegs in Richtung sich ausweitender Konflikte, mörderischer Kriege und Vertreibungen. Die weltweit dominierenden, „aufgeklärten“ Staaten und Blöcke, besonders die USA und die NATO, neuerdings auch Russland, befördern aber mit ihren „willigen“ Vasallen die Konflikte, indem sie sich nach fragwürdigen Kriterien und selten friedensstiftend einmischen. ...weiterlesen "Über die falsche Lust am Intervenieren, Olaf Weber (2015)"

von Roland Vogt

25 Staaten der Erde haben zurzeit keine militärische Streitmacht. In Europa gehören dazu Andorra, Island, Liechtenstein, Monaco, San Marino und Vatikanstadt. Außer Liechtenstein haben sie die Landesverteidigung einer Schutzmacht anvertraut. Sie sind damit aus pazifistischer Sicht kein besonders überzeugendes Beispiel für Militärfreiheit. Island ist sogar NATO-Mitglied und hat ein Verteidigungsabkommen mit den USA, die von 1951 bis 2006 auf der Insel einen Militärstützpunkt unterhielten. Liechtenstein hingegen hat 1868 seine Streitkräfte nach Auflösung des Deutschen Bundes aus Kostengründen abgeschafft, nachdem die Verpflichtung zur Truppenstellung für das Deutsche Bundesheer entfallen war. Es gibt –entgegen anderslautenden Behauptungen- auch kein Verteidigungsbündnis zwischen der Schweiz und Liechtenstein. ...weiterlesen "Eine Gesellschaft ohne Rüstung und Militär-welche Anforderungen an Konversion stellen sich?"

Eine militärfreie, doch darum nicht konfliktlose Zivilgesellschaft, die sich durch ihre eigenen Instrumente schützt, ist ihr selbstverständlicher Zustand.

 

1. Militär und Menschenrechte sind unvereinbar

Die Würde des Menschen hängt an seinem Leben. Militär zerstört nicht versehentlich, sondern planmäßig den Anspruch auf Leben. Soldaten müssen "feindliche" Soldaten töten, obwohl keinem der Kriegsbeteiligten eine individuelle Schuld nachgewiesen wird. Töten, vor allem Töten auf Verdacht, steht aber in einem eklatanten Widerspruch zu den individuellen Menschenrechten. Militär und Menschen­rechte befinden sich also nicht nur dann im Konflikt, wenn durch so genannte Kollateralschäden Zivilisten getötet oder verletzt werden, sie stehen überhaupt zueinander in einem unüberwindlichen, antagonistischen Widerspruch. Krieg ist autoritäres von Generälen und Bandenchefs verordnetes Morden. Militär ist ein ruhmloses Auslaufmodell. ...weiterlesen "Welt ohne Militär, Olaf Weber (05/2013)"

von Olaf Weber

Einige Argumente gegen das Militär

In Dokumenten zur internationalen Politik wird dem Militär immer noch eine friedensstiftende Rolle eingestanden, wie etwa in entsprechenden Formulierungen zur sogenannten "Schutzverantwortung" (Responsibility to Protect). Auch im Antrag für die Bundesversammlung der Grünen in Hannover wird zwar ein Umdenken "vom Recht des Stärkeren zur Stärkung des Rechts" gefordert und das Militär durch ein filigranes Netz von Vorbeugung und Verträgen zu fesseln versucht, doch es bleibt noch bestehen. Parallel zur Bändigung des Militärs muss aber dringend seine Abschaffung betrieben werden. Dazu die folgenden Argumente: ...weiterlesen "Global Zero: Sofortiger und anhaltender militärischer Rückbau, Olaf Weber (2012)"

von Theodor Ziegler

1. Die noch größere Bedrohung

Die Atomkatastrophe vom März 2011 in Fukushima veranlasste die einstigen BefürworterInnen der deutschen Atomenergie die wenige Monate zuvor beschlossene Laufzeitverlängerung zurück zu nehmen, die problematischsten acht Meiler sofort abzuschalten und für die restlichen die Laufzeit bis maximal 2022 zu begrenzen.1 Diese Entscheidung zum Atomausstieg erfolgte einseitig auf nationaler Ebene, ohne Rücksicht auf andere, die Kernkraft weiter forcierende EU- oder sonstige Staaten. Ob dieser Sinneswandel bei den maßgeblichen PolitikerInnen in Union und FDP nun aus neu gewonnener Einsicht in die Gefahren der atomaren Energiegewinnung oder eher aus wahltaktischen Überlegungen erfolgte, sei dahingestellt und spielt für den eingeschlagenen Weg keine entscheidende Rolle. ...weiterlesen "Ausstieg 2.0 – Nach dem Atomausstieg auch der Ausstieg aus dem Militär?, Theodor Ziegler (2012)"